Viel mehr als nur ein Jazzkonzert

Gute Stimmung an der Dixie-Metzgete. Mit Klassikern aus den 1920er- und 1930er- Jahren sorgte die Golden Years Jazzband in der Gemeindescheune in Oetwil für ausgelassene Stimmung.


Wer keine Reservation hat, für den siehts schlecht aus: Am vergangenen Freitagabend fand, wie jedes Jahr Ende Oktober, wieder die vom Jazz-Club Oetwil organisierte Dixie-Metzgete statt. Der Saal der Gemeindescheune ist für den beliebten Anlass relativ klein, die Anzahl der Sitzplätze beschränkt – und so ist eine Vorbestellung für einen Tisch nötig, wenn man nicht am Eingang abgewiesen werden möchte.
Lange vor dem eigentlichen Konzert beginnt sich der Raum zu füllen. Als die Band kurz nach 20 Uhr dann zu spielen beginnt, ist der Saal bis auf den letzten Platz besetzt. Gespannt lauschen die Besucherinnen und Besucher, von denen viele mit Jazzmusik aufgewachsen sind, den sechs Musikern auf der Bühne.
Von Dixie bis Swing Die Golden Years Jazzband überzeugt sowohl durch ihre solide Leistung wie auch durch das abwechslungsreiche Repertoire, welches vom klassischen Dixie bis in den Swing reicht. Dabei handelt es sich bei der sechsköpfigen Formation nicht um Profis, sondern um Amateure, die aus Liebe zur Musik spielen.


Dennoch hat sich die Band in den 24 Jahren ihres Bestehens auch weit über die Landesgrenzen hinaus einen Namen gemacht. Und obwohl die Mitglieder im Laufe der Jahre immer wieder gewechselt haben, harmonieren die einzelnen Musiker gut miteinander. Die Dixie-Metzgete ist aber bei weitem nicht nur ein Jazzkonzert.
Vielmehr ist hier auch das gemütliche Beisammensein ein wichtiger Bestandteil des Events und trägt viel dazu bei, dass die Metzgete jedes Jahr immer wieder aufs Neue voll ausgebucht ist. Man kennt sich in der Besucherschaft von früheren Veranstaltungen und nutzt an diesem Anlass, bei Musik, Speis und Trank, die Gelegenheit, alte Bekanntschaften zu erneuern und gleichzeitig die letzten Neuigkeiten in Sachen Jazz auszutauschen.

Kein Ende nach drei Stunden

Als sich die Band nach drei Stunden verabschieden will, verlangt das Publikum lautstark nach einer Zugabe. Der Wunsch nach dem Titel «Ice Cream» wird geäussert – und die Band lässt sich nicht lange bitten. Bei dem Stück handelt es sich offensichtlich um einen Publikumsliebling, denn gut die Hälfte der Anwesenden klatscht im Takt begeistert mit.
Auch nach dieser ersten Zugabe gibt sich das Publikum noch lange nicht zufrieden und will noch mehr von der Band hören. Diese lässt sich schliesslich überreden und gibt ein letztes Stück zum Besten, ein schottisches Volkslied, das von der Band eigens für den Jazz umgeschrieben wurde und mit dem die sechs Musiker ein letztes Mal ihr Können unter Beweis stellen können.


Zufriedener Jazz-Club-Präsident

Bei der Verabschiedung zeigt sich Hermann Pfister, Präsident des Jazz-Clubs Oetwil und Organisator der Veranstaltung, sichtlich zufrieden mit dem Abend. Da er selber seit vielen Jahren ein grosser Fan von klassischem Jazz ist und in früheren Jahren auch immer wieder Idole und Grössen der internationalen Jazz-Szene live miterleben durfte, freut er sich jedes Jahr ganz besonders auf die Dixie-Metzgete. Dann würden alte Erinnerungen wach und man fühlt sich in die Vergangenheit zurückversetzt, meint er.
Für viele Anwesende dürfte dies einer der Hauptgründe sein, weshalb sie regelmässig jedes Jahr wieder zur Metzgete in die Gemeindescheune kommen.

NICOLAS KUCERA - Limmattaler Zeitung, Montag, 27. Oktober 2008
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